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Kulturkampf von rechts? Aktuelle Ausgabe Nr. 81, 13. Oktober 2026

Kulturkampf von rechts?

Antifeminismus, Angriffe auf queere und migrantische Leben, Kämpfe um Erinnerungspolitik, Wissenschaftsfreiheit oder (sozio-)kulturelle Institutionen insgesamt: Seit einigen Jahren wird verstärkt von einem „Kulturkampf von rechts“ gesprochen. Es lässt sich beobachten, dass rechte Akteure erhebliche Ressourcen darauf verwenden, gesellschaftliche Debatten zu verschieben, kulturelle Deutungshoheit zu gewinnen und bestehende Errungenschaften demokratischer und emanzipatorischer Kämpfe infrage zu stellen. Diese Kämpfe werden nicht nur in der Arena der Politik ausgetragen, es geht vielmehr darum, grundlegend Vorstellungen von Nation, Familie, Geschlecht, Zugehörigkeit und Geschichte neu zu ordnen und als gesellschaftlichen Konsens zu etablieren.

Zugleich stellt sich die Frage, ob der Fokus auf die äußerste Rechte überhaupt ausreicht. Viele jener Deutungsmuster, die lange als Kennzeichen rechter Randmilieus galten, finden sich heute auch in konservativen Parteien, medialen Debatten und staatlichen Politiken wieder: Wie verschieben sich die Grenzen des Sagbaren? Welche Rolle spielen liberale und konservative Akteure bei der Verbreitung oder Normalisierung rechter Narrative? Und wie lassen sich die Verbindungen zwischen autoritären, neoliberalen und nationalistischen Projekten genauer fassen?

Wie hilfreich ist der Begriff des Kulturkampfs überhaupt? Geht es tatsächlich um einen Kampf um Kultur, Werte und Identitäten, oder verdecken diese Konflikte vielmehr soziale Ungleichheiten, Klassenverhältnisse und autoritäre Umbrüche? Unterschätzt die Linke umgekehrt womöglich die Bedeutung kultureller Hegemonie, während die Rechte zunehmend Deutungshoheit gewinnt, Begriffe umdefiniert, sich als rebellischer Underdog inszeniert und selbst Elemente linker Kritik für ihre politischen Projekte vereinnahmt?

Dabei steht nicht nur zur Debatte, was gesagt wird, sondern auch, was nicht gehört, nicht gedruckt oder nicht mehr als relevant wahrgenommen wird. Welche Bedeutung kommt dabei der digitalen Öffentlichkeit, Medien, Schulen oder Kulturinstitutionen zu? Was bedeutet es, wenn die Vorstellung einer gemeinsamen Wahrheit selbst zum Gegenstand politischer Kämpfe wird?

In unserer 81. Ausgabe wollen wir die Strategien rechter Hegemoniebildung, ihre Konfliktfelder und inneren Widersprüche untersuchen. Zugleich interessiert uns eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Kulturkampfs selbst: Was erklärt er – und was verdeckt er? Welche Formen emanzipatorischer Gegenmacht lassen sich heute denken?

In der Januar-Ausgabe #82 werden wir dann uns dem Thema „Sucht im Kapitalismus“ zuwenden. Gerne nehmen wir noch Rezensionsvorschläge entgegen!

Viel Spaß beim kritischen Lesen!

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